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TV-Star Evelyn Burdecki: „Ich bekomme widerliche Nachrichten“

Köln – Seit die schweren Vorwürfe von Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen bekannt wurden, debattiert ganz Deutschland über das Thema Gewalt gegen Frauen. In vielen Städten wird demonstriert, viele Menschen bekunden Solidarität mit Collien Fernandes und immer mehr Frauen schildern öffentlich ihre eigenen Erlebnisse. Im BILD-Interview berichtet Evelyn Burdecki (37), was ihr widerfahren ist.

BILD: In der Debatte um digitale und analoge Gewalt gegen Frauen haben Sie sich bereits früh zu Wort gemeldet. Warum?

Burdecki: „Weil ich es wichtig finde, dass Frauen den Mut haben, darüber zu sprechen. Ich glaube, es gibt wahnsinnig viele Frauen, die sich nicht trauen, weil sie Angst haben, dass ihnen nicht geglaubt wird oder dass es dadurch noch schlimmer wird. Umso bewundernswerter finde ich es, wenn eine Frau – wie zur Zeit Collien – aufsteht und sagt: ,So, bis hierhin und nicht weiter.‘“

Am 22. März demonstrierten 13.000 Menschen in Berlin gegen virtuelle und physische Gewalt gegen Frauen. Auslöser dafür waren die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen („Du hast mich virtuell vergewaltigt“). Evelyn Burdecki begrüßt die Proteste

Am 22. März demonstrierten 13.000 Menschen in Berlin gegen virtuelle und physische Gewalt gegen Frauen. Auslöser dafür waren die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen („Du hast mich virtuell vergewaltigt“). Evelyn Burdecki begrüßt die Proteste

Foto: AFP

BILD: Ermutigt der Schritt von Collien Fernandes andere Frauen, sich ebenfalls zu wehren?

Burdecki: „Ja, total. Ich glaube, das bewegt sehr viel. Dass Frauen sehen: Ich bin nicht allein, ich darf meinen Mund aufmachen, ich darf sagen, was mir passiert ist. Genau das ist so wichtig.“

BILD: Haben Sie selbst Erfahrungen mit Belästigung gemacht?

Burdecki: „Ja, leider. Ich bekomme ständig Dick Pics (dt.: Penis-Bilder, Anm. d. Red.), sexuelle Angebote, widerliche Nachrichten. Da schreiben Männer Sachen wie: ,Wenn ich dich auf der Straße sehe, ziehe ich dich aus.‘ Wirklich ekelhafte Dinge. Das ist schlimm und macht viel mit einer Frau. Viele Männer verstehen gar nicht, was sie damit auslösen.“

Dieses Foto postete Evelyn Burdecki auf ihrem Instagram-Profil. Sie zu BILD: „Warum soll ich plötzlich mit Rollkragenpullover rumlaufen, nur weil sich irgendein Typ wegen meines Dekolletés danebenbenimmt oder mich dumm anmacht?“

Dieses Foto postete Evelyn Burdecki auf ihrem Instagram-Profil. Sie zu BILD: „Warum soll ich plötzlich mit Rollkragenpullover rumlaufen, nur weil sich irgendein Typ wegen meines Dekolletés danebenbenimmt oder mich dumm anmacht?“

Foto: evelyn_burdecki/Instagram

BILD: Wie gehen Sie damit um?

Burdecki: „Ich lese die Nachrichten natürlich manchmal, wenn ich unterwegs bin oder im Bett liege. Wenn ich dann sehe, wie ekelhaft das ist, blockiere ich die Leute. Wenn es richtig schlimm wird, melde ich das auch.“

 

„Ich lasse mir von Männern nicht verbieten…“

BILD: Würden Sie die Nachrichten dieser Männer auch öffentlich posten und die Absender identifizierbar machen?

Burdecki: „Ja, ich glaube, dass das abschreckt. Wenn die merken: Okay, wenn ich so etwas schreibe oder schicke, dann könnte mein Name öffentlich werden – dann überlegen sich das vielleicht einige zweimal. Natürlich machen sich manche dann einfach Fake-Accounts. Aber ich finde schon, dass dieses öffentliche Benennen etwas bewirken kann. Ich finde grundsätzlich, da ist gerade etwas ins Rollen gekommen, was es so in der Größe noch nicht gab. Dass darüber so groß diskutiert wird, dass Frauen so laut werden, das ist wichtig und richtig. Ich finde es gut, wenn Menschen auf die Straße gehen und sagen: Wir lassen uns das nicht gefallen.“

BILD: Was machen solche Nachrichten mit Ihnen?

Burdecki: „Ich lasse mir doch von solchen Männern nicht verbieten, wie ich mich anziehe. Warum soll ich plötzlich mit Rollkragenpullover rumlaufen, nur weil sich irgendein Typ wegen meines Dekolletés danebenbenimmt oder mich dumm anmacht? Dann ziehe ich erst recht ein Oberteil mit Ausschnitt an.“

„Es gibt immer Leute, die meckern. Das ist mir egal“

BILD: An Ostersonntag sind Sie in der Rolle einer Stylistin neben Collien Fernandes in „Das Traumschiff: Island“ zu sehen (20.15 Uhr, ZDF). Diese Dreharbeiten fanden schon vor einigen Monaten statt, damals waren die Vorwürfe, die Fernandes gegen ihren Ex-Mann erhebt, noch nicht bekannt. Haben Sie sich beim Dreh getroffen?

Burdecki: „Nein, Sie war gerade von Bord gegangen, als ich kam. Der Dreh ist aber auch schon eine Weile her.“

Szene aus „Das Traumschiff: Island“ (Ostersonntag, 20.15 Uhr, ZDF): Evelyn Burdecki (r.) spielt Sytlistin Vera. Diese kümmert sich um die Looks von Evelyn Küpper (Saskia Vester, 66, l.) und ihrer Enkelin Ronja Küpper (Rosa von Lobenstein, 25)

Szene aus „Das Traumschiff: Island“ (Ostersonntag, 20.15 Uhr, ZDF): Evelyn Burdecki (r.) spielt Sytlistin Vera. Diese kümmert sich um die Looks von Evelyn Küpper (Saskia Vester, 66, l.) und ihrer Enkelin Ronja Küpper (Rosa von Lobenstein, 25)

Foto: ZDF und Dirk Bartling

BILD: Werden Sie sich Ihre Folge im Fernsehen anschauen?

Burdecki: „Na klar! Meine Mutter ist so stolz wie noch nie. Als sie gehört hat, dass ich eine Anfrage vom ,Traumschiff‘ bekommen habe, war sie völlig aus dem Häuschen. Das ,Traumschiff‘ gab es schon, als wir Kinder waren. Diese ganzen tollen Schauspieler, dieses ganze Flair — für mich ist das ein absolutes Highlight. Auch wenn die Rolle klein war, fühlt es sich für mich an wie die größte Rolle meiner Karriere. Klar, es gibt immer Leute, die meckern. Aber das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich bin stolz wie Bolle. Natürlich wird man belächelt, wenn man aus dem Reality-Bereich kommt und keine Schauspielschule besucht hat. Aber so ist das eben.

BILD: Hat Ihnen das Schauspielern gefallen?

Burdecki: „Sehr sogar. Ich durfte endlich mal jemand anders sein. Ganz andere Klamotten, ein anderer Charakter — das war toll. Ich glaube wirklich, Schauspielerei ist etwas Gutes für mich, weil ich dabei auch mal die Evelyn ablegen kann. Ich bin mir ja manchmal sogar selbst zu anstrengend. Ich kann jetzt auf jeden Fall in meine Vita schreiben: Rolle im ,Traumschiff‘. Allein das ist für mich schon ein riesiges Wow. Man muss ja nicht dazuschreiben, wie groß die Rolle war.“

 

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